Pressemitteilung & Newsletter 04/2025 erschienen am 15.12.2025
Die Wohlfahrtspolizei Zwischen 1923 und Ende 1925 patrouillierte in Köln die in Deutschland erste weibliche uniformierte Polizeieinheit im Bereich rund um den Hauptbahnhof. Ihr Einsatzgebiet war die Bekämpfung der seit Ende 1918, dem Beginn der englischen Besetzung Kölns, sprunghaft zunehmenden Prostitution. Die Frauen hatten, anders als die Sittenpolizei, neben der strafrechtlichen Verfolgung vor allem die Aufgabe mit Mitteln der sozialen Hinwendung an gefährdete Frauen, Prostitution zu verhindern und auf die schiefe Bahn gekommene Frauen und Mädchen wieder in ein normales Leben einzugliedern. Dieser modern klingende Ansatz hat in den gut zwei Jahren des Bestehens der weiblichen Polizeieinheit sehr gut funktioniert und ersparte vielen Frauen die oft schlechte Erfahrung mit dem seinerzeit nicht zimperlichen Polizeigewahrsams durch die Sittenpolizei, die meist ohne Differenzierung jede inhaftierte Frau kriminalisierte. Der Haken an dem damaligen Experiment war, dass die männlichen Kollegen und Vorgesetzten der Frauen sich von deren erfolgreichen Arbeit in ihrer eigenen Arbeit kritisiert fühlten und letztlich versuchten mit durchaus sexistisch herablassender Eitelkeit die Arbeit der Frauen zu sabotieren. Verständlich, wenn sich Manche und Mancher hier an oft halbgare TV-Krimis erinnert fühlt, deren Bestandteil neben der Haupthandlung oft interne Konflikte sind. Tatsächlich war diese Situation bei der Kölner Polizei in dieser Zeit gelebte und für die Polizistinnen äußerst harte Realität. Eng verbunden mit der Wohlfahrtspolizei und deren Weiterentwicklung in Hamburg ab 1927 war Josefine Erkens. Sie war die Leiterin der weiblichen Kölner Polizei und brachte es später in Hamburg aufgrund ihrer erfolgreichen Arbeit bis zur Regierungsrätin. Das war eine Position, in der sie auch vielen männlichen Kollegen Anweisungen geben konnte. Sowohl in Köln, als auch in Hamburg brachten ihre Vorgesetzten und männlichen Kollegen die engagierte Josefine Erkens zu Fall. In Hamburg kam es 1931 zu einem spektakulären vermutlichen Selbstmord zweier Polizistinnen. Beide wurden zusammengebunden und tot im Watt der Insel Pellworm gefunden. Obwohl Erkens keinerlei Schuld an der Situation traf, wurde sie aufgrund der Presse, die durch ihre Kollegen gezielt mit falschen Informationen versorgt wurde, unehrenhaft aus dem Polizeidienst entlassen. Diese spannende und höchst spielfilmtaugliche Geschichte zeigt, dass trotz eines sehr modernen Ansatzes und großer Erfolge der weiblichen Polizei, die Zeit noch nicht reif war für selbstständig handelnde und denkende Polizistinnen. KI-HINWEIS: Da es kaum zeitgenössisches Foto- und Filmmaterial hinsichtlich der Arbeit der weiblichen Polizei in Köln und Hamburg gibt, setzt der Film aus Gründen der Illustration in Teilen ersatzweise KI- generiertes Material ein. Diese Passagen werden im Film deutlich kenntlich gemacht. Filmlink: https://youtu.be/AMnNJYXUTl4
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Neues vom Archiv Martin Junkersdorf
Schenkung eines größeren Bestands des Archivs an das Historische Archiv der Stadt Köln Nachdem wir im Mai 2025 das Archiv Martin Junkersdorf von seinem Urenkel Dirk Schäfer als umfangreiche Schenkung erhielten, folgten Monate der Sichtung, Sortierung, ersten Digitalisierungen und vielen Facebookpostings. Ende Juli diesen Jahres konnten wir nach einer umfangreichen Schenkung an das NS-Dok auch dem Historischen Archiv der Stadt Köln viele sehr interessante Bücher und Schriften aus unserem Archivbestand als Schenkung übergeben. Darunter befanden sich Bände, die vom 17. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts datieren. Nachdem die Bücher, Schriften und Mikrofilme zunächst im Historischen Archiv in einer einmonatigen Quarantäne lagerten, werden sie inzwischen historisch ausgewertet, ggf. restauriert und nach und nach digtalisiert. Somit wird der Bestand bald im Lesesaal und dem digitalen Lesesaal für die Forschung und die Allgemeinheit nutzbar sein. Neben der im letzten Newsletter schon beschriebenen Schenkung an das NS-Dok, ist auch diese Schenkung ein wunderbares Beispiel dafür, wie viele Jahrzehnte auf einem Dachboden lagernde historische Materialien nach ihrer Wiederentdeckung, sach- kundigen Sichtung und guter Vernetzung zu Teilen der Kölner Stadtgeschichte werden können. Gerne hätten wir weitere Informationen aus erster Hand des Historischen Archivs über den Fortschritt der Arbeiten und ggf. mögliche Entdeckungen geteilt. Leider sah man sich bis jetzt von Seiten des Archivs, trotz anderslautender Ankündigungen, nicht in der Lage uns über den Fortschritt der Arbeiten detaillierter zu unterrichten. [KH]
Foto: Wikipedia
Foto: Wikipedia
Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
Foto: Jacob Scheiner, Köln in der Vogelschau
Foto: Klaus Hausmann
Foto: pixabay.com
KI-Fakes angeblich historischer Fotografien  Wir alle kennen inzwischen viele Bilder und Videos, die von einer künstlichen Intelligenz geschaffen wurden. Das Internet ist voll davon und jeden Tag nehmen solche Inhalte zu. Meist zeichnen sie sich durch eine vorwiegend tiefere Sinnlosigkeit aus und manchmal möchten sie uns glauben machen, dass wir etwas sehen, das tatsächlich passiert ist. Mal gibt man uns einen Hinweis auf die KI-Schöpfung und mal leider nicht. Letzteres gibt diesen Inhalten ihren gefährlichen Aspekt, da damit das konsumierende Publikum manipuliert werden kann. Ich möchte Sie auf einen weiteren Gesichtspunkt im Zusammenhang mit KI-Schöpfungen aufmerksam machen, der gegenwärtig noch nicht im Fokus der täglichen Diskussionen steht, aber ein großes Gefährdungspotential beinhaltet. Dabei handelt es sich um die Fälschung oder Erfindung historischer Fotografien oder Filme. Das kann man sich einerseits als lustige Spielerei vorstellen, kann aber andererseits auch zur Manipulation der geschichtlichen Wahrheit missbraucht werden. Nebenstehend sehen sie einige Fotografien, die den ehemaligen Besitzer des Kölner Brauhauses „Em Huusmannbräu“ zeigen. Alle Fotos entstanden 1885 und zeigen oben Nikolaus Friedrich Huusmann vor seiner Schenkwirtschaft mittig dieselbe Person in den Räumlichkeiten beim Genuss des ersten in Köln hergestellten Kölschs und schließlich sehen wir unten Huusmann im Sudhaus seiner Brauerei. Wie wir wissen, war es die Brauerei Sünner, die erstmals im Jahr 1906 „Kölsch“ auf den Markt gebracht hat und nicht Nikolaus Friedrich Huusmann mit seinem Brauhaus „Em Huusmannbräu“ im Jahr 1885. Würde man diese gefälschten Fotos in den sozialen Medien mit einer guten und dazu passenden historischen Hintergrundgeschichte verbreiten, gäbe es sicherlich einige Personen, die die Geschichte glauben würden. Wiederholte man nun oft genug diese Unwahrheit und trüge dafür Sorge, dass die Postings oft genug geteilt würden, würde die Gemeinschaft derer, die die falsche Geschichte glauben, immer weiter wachsen. Das ist eine beängstigende Vorstellung, wenn man bedenkt, was auf diesem Weg praktisch möglich wäre. Ein Alptraum … Ich habe das kürzlich mittels eines kleinen Experiments ausprobiert. Gästen einer Party schickte ich eine Einladung, die das 140-jährige Jubiläum des ersten in Köln gebrauten Kölsch als Grund für die Feier nannte. Dazu verwandte ich unter anderen die nebenstehenden Fotos und die oben beschriebene noch etwas genauer ausgeführte Geschichte. Manche der so geladenen Gäste verfügen über eine gewisse Expertise hinsichtlich der Kölner Stadtgeschichte und andere haben sich mit dem Thema eher nur am Rande befasst. Es zeigte sich, dass ein Gast im Vorfeld das Brauhaus „Em Huusmannbräu“ in zeitgenössischen Adressbüchern Kölns suchte, eine nicht kleine Anzahl diesen historischen Anlass als feierwürdig und letztlich glaubhaft empfanden und nur der kleinste Teil der Gäste direkt vermutete, dass es sich um einen KI- Fake handelte. Letzterer Gruppe musste ich nachher klarmachen, dass der Anlass zwar erfunden war, aber die Party tatsächlich stattfinden würde. Da die historischen Tatsachen durch KI-Schöpfungen nunmehr ebenfalls in Gefahr sind, können uns nur umfangreiche und möglichst nachvollziehbare Quellenangaben der publizierten Fotografien oder Filme vor falschen Darstellungen schützen. Dieser Aspekt muss über kurz oder lang für seriöse historische Angebote in den sozialen Medien an erster Stelle stehen, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit behalten wollen. [KH]
Der neue Film aus der Reihe „Kölner Bilder und welche Geschichten sie erzählen“ mit Gerd Krebber, Fotini Koronis und Klaus Hausmann
Gerd Krebber Klaus Hausmann
Historisches Archiv der Stadt Köln: https://www.stadt-koeln.de/leben-in- koeln/kultur/historisches-archiv/index.html Digitaler Lesesaal: https://historischesarchivkoeln.de/index.xhtml Kontakt zum Historischen Archiv der Stadt Köln: hastk-rba@stadt-koeln.de
Seltene und besondere antiquarische Bücher können die heimische oder betriebliche Bibliothek bereichern und sind ebenfalls ein außergewöhnliches Geschenk. Nach der Erschließung des Archivs Martin Junkersdorf ist ein Bestand zu unterschiedlichen Themenbereichen übrig geblieben, den wir mangels regionalem Nutzen keinem öffentlichen Kölner Archiv in Form einer Schenkung übertragen konnten und der auch für unser eigenes Archiv keinen unmittelbaren lokalhistorischen Zweck erfüllt. Insbesondere da unsere langfristigen Lagermöglichkeiten gegenwärtig weitgehend erschöpft sind, bieten wir einem interessierten Publikum diese Titel an. Denkbar ist die Übernahme des gesamten Bestands, bestimmter Themenbereiche, oder von Einzeltiteln. Darunter befindet sich ein besonders interessanter Teil mit antiquarischer Literatur zum Thema Architektur, der einige heute sehr seltene Publikationen aus der Zeit von 1880 bis etwa 1938 enthält. Sollte eine private Person, ein Architekturbüro, ein spezielles Museum, oder eine Fachbibliothek zum Thema Architektur Interesse an der Übernahmen haben, schicken wir gerne eine fotografisch dokumentierte komplette Liste der Bände und Zeitschriften. Die Übernahme kann dann gegen einen Obolus als Deckungsbeitrag unserer nicht unerheblichen Erschließungskosten des Archivs erfolgen.
Allgemeine Informationen
KölnerLeben Unser aktueller Artikel in der Winterausgabe der Zeitschrift „KölnerLeben“ ist am 2. Dezember erschienen. Diesmal geht es um die Schwebebahnversuchsstrecken in Köln. Artikel: https://epaper.koellen.de/koelnerleben/25-04/44/ Das Magazin: https://www.koelnerleben-magazin.de/
Gerd Krebber
Klaus Hausmann
Fotos: WEGEN de LEUT media, Klaus Hausmann
Foto: Historisches Archiv der Stadt Köln
Foto: Historisches Archiv der Stadt Köln
Foto: Historisches Archiv der Stadt Köln
Fotini Koronis
Foto: Historisches Archiv der Stadt Köln
Der vierte Advent naht und in wenigen Tagen folgen die Weihnachtsfeiertage. Gleichzeitig steht schon fast das Jahresende bevor und der familiären Weihnachtsbesinnlichkeit folgt der Rückblick auf 2025. Im vierten Jahr des Projekts „Das historische Köln“ haben wir wieder viel Vergessenes, Verdrängtes und Ungeahntes der Stadtgeschichte Kölns hinzufügen, und durch das Archiv Martin Junkersdorf die Stadtgeschichte auch substantiell erweitern können. Unsere Facebookseite hat auch in diesem Jahr fast jeden Tag Geschichte lebendig dargestellt und unsere Filmproduktion hat wieder sieben Filme zu besonderen Themen der Stadtgeschichte veröffentlicht. All das wäre nichts, ohne unser Publikum, unsere Follower und an der Stadtgeschichte Interessierte, die unseren Publikationen folgen. Nicht zu vergessen sind die Expertinnen und Experten, die uns gelegentlch unterstützen und das Netzwerk von Geschichts- initiativen mit dem wir in regelmäßigem Austausch stehen. Euch allen möchten wir für das Interesse und die Hilfe danken und wünschen Euch ein besinnliches und friedvolles Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2026. Unser kleines Weihnachtsvideo: https://youtu.be/zMe8329VhzI Euer „Das historische Köln“-Team
Weihnachtsgrüße
Alle Fotos im Artikel: KI Google Gemini
Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, Kolorierung: WEGEN de LEUT media
Foto: Archiv Martin Junkersdorf